Dienstag, 28. Dezember 2010

Andalusien - 4. Tagestour, der blanke Wahnsinn

El Camino del Rey
Vor längerer Zeit bin ich rein zufällig über ein haarsträubendes Video auf YouTube gestolpert: El Camino del Rey. Wahnsinn, faszinierend, leichtsinnig, mutig, extrem dumm, in den Bann ziehend - dieser Film löste ein Wechselbad der Gefühle in mir aus und ist postwendend bei YouTube unter meinen Favoriten gelandet. Da wusste ich aber noch nicht, wo dieser Streifen gedreht wurde und habe auch nicht weiter nachgeforscht. Bei der Vorplanung unseres einwöchigen Andalusienurlaubs fiel mein Blick dann auf den Earthcache "Garganta del Chorro". Ich stutzte, las die Beschreibung genauer und fühlte, wie mein Puls einen Zahn zulegte. Das war doch...aber ja klar...das ist die Schlucht mit dem angeblich gefährlichsten Wanderweg der Welt!
Von da an stand unser absolutes "Must See" des Urlaubs fest und am 28.12.2010 war es dann soweit.    

Erster Blick auf El Torcal

Schafrücken im Himmel
und auf Erden

Zunächst jedoch fuhren wir morgens auf der Autobahn nach Malaga und von dort auf der A-45 in das Gebirge El Torcal, das ebenfalls einen Earthcache beherbergte und uns durch tolle Sandsteinformationen auf vielen Bildern aufgefallen war. Schon von Weitem wirkte das helle Gebirge beeindruckend und als wir die Bergstraße hochfuhren, nahmen die Wolken zu und waren plötzlich ein Spiegelbild der wild grasenden Schafherde, die wir passierten. Oben am Besucherzentrum angekommen stellten wir das Auto am  Parkplatz ab und schauten uns ein wenig um.

Steinbruch und Wolkenbänke
  Die Aufgaben für den Earthcache waren schnell gelöst, der kurze Spaziergang zu einem Aussichtspunkt mit enormer Weitsicht tat gut und so steuerten wir noch einen weiteren Cache dort oben an, der am Rande eines ehemaligen Steinbruchs gelegen und auf einmal von dichten Wolken umgeben war. Doch innerhalb von 10-15 Minuten lichtete sich der Wolkennebel wieder und gab die Sicht in den Steinbruch und einen spektakulären Blick auf eine Bergkette mit Wolkenbänken frei. Sollten wir irgendwann eine weitere Gelegenheit bekommen, dieses faszinierende Naturschutzgebiet besuchen zu können, werden wir uns mindestens einen ganzen Tag dafür frei halten.
Einfach gigantisch

Auf dem Weg zur Brücke

So fuhren wir erstmal gegen Mittag weiter nach El Chorro, voller Vorfreude und total gespannt. Dort angekommen sahen wir schon vor dem endgültigen Parkplatz die ersten Leute in einer Bergwand hängen. Die gesamte Region ist halt weit über Andalusiens Grenzen hinaus als vielseitiges und spannendes Klettergebiet bekannt und beliebt, nicht nur die Schlucht am Staudamm. Und im Winter sind die meisten Kletterer dort, nicht im heißen Sommer. Verständlich, wer will schon bei 40° an einer ungeschützten Felswand brutzeln. Auf dem Parkplatz unterhalb des Aufstiegs zur grünen Eisenbahnbrücke, die sich vor dem Beginn des Caminito del Rey befindet, konnten wir außer spanischen Kennzeichen auch Autos aus Frankreich, England, Deutschland und der Tschechei ausmachen. Es war mehr los als wir erwartet hatten, aber dank der zerklüfteten Gegend verteilten sich die Leute in der ganzen Umgebung und der Aufstieg zur Brücke war nicht so stark besucht wie zunächst befürchtet. 

Luftiges Erinnerungsfoto
Als wir von oben den ersten weiten Ausblick genossen und den Blick über den Stausee und die Schluchtwände mit der legendären Wasserrohrbrücke gleiten ließen, spürten wir endgültig die große Faszination dieses Gebiets. Bis zur grünen Eisenbahnbrücke wagten wir uns noch vor, aber dann war für uns Schluß. Ein paar Fotos, ein paar Blicke hier und da, und dann zogen wir uns auf ein sicheres Felsplateau zurück und beobachteten ca. eine Stunde lang einige Kletteraktionen am Caminito del Rey.    
  
Anfangskletterei

Anfang und Ende eines
gefährlichen Weges
Der maximal 1 m breite Weg, der sich in schwindelerregender Höhe an der senkrechten Felswand entlang schlängelt, ist größtenteils schon so verfallen und unsicher geworden, dass die spanischen Behörden nach einigen Todesfällen das Ende des Weges entfernt 
Kurz vor der Schluchtbrücke
haben,  um unbedachte  Wagemutige 
ohne entsprechende Ausrüstung und Klettererfahrung davon abzuhalten, hier weiterhin ihr Leben zu riskieren. Und so konnten wir einem Pärchen beim Start unterhalb des gekappten Wegendes dabei zusehen, wie es sich langsam und natürlich mit Sicherung über rostige Träger, die statt des Zuweges noch vorhanden waren, vorarbeitete.  Uns ist schon beim Zusehen ganz anders geworden und wir haben uns sehr gefreut, als die beiden irgendwann auch die z.T. zubetonierte Treppe gemeistert hatten und sich später kurz vor der Schluchtbrücke befanden. Auf dem oberen Weg kam indessen ein Trio aus der anderen Richtung entlang und seilte sich am gekappten Wegende einfach ab. Na ja, "einfach" hinsichtlich des geringen Zeitaufwandes, natürlich sah auch das für uns Laien entsprechend spektakulär aus. Wir haben zwar auch schon ein paar Abseilerfahrungen gemacht, aber die waren weniger hoch und erschienen uns deutlich sicherer als hier das Abseilen vom Wegende.   
 
Tafoni

Abseits der Schlucht

Nachdem wir das ganze Szenario lange genug beobachtet hatten, fuhren wir noch ein wenig am Stausee entlang und entdeckten u.a. einen geologisch sehr interessanten Ort mit riesigen Tafoni (durch Erosion entstandene Sandsteinhöhlen) und staunten an anderer Stelle nicht schlecht, wie intensiv türkis das Stauseewasser trotz des inzwischen vollständig bedeckten Himmels zu uns hinauf schimmerte. Auch diese Gegend würden wir gerne noch ausführlicher besuchen wollen, sollte sich irgendwann die Gelegenheit dazu ergeben. Doch zunächst mussten wir langsam wieder den Rückweg antreten und erreichten kurz nach Eintritt der Dunkelheit wieder unser Appartement. Was für ein Tag und was für bleibende Eindrücke!
   
 

Kommentare:

  1. Hallo liebe Heidi, die Fotos zur Schlucht sind gruselig, aber auch gleichzeitig faszinierend!!! Es gibt wirklich unendlich viele spannende Sachen auf dieser Welt. Leider kann man nicht alles selbst erleben. Umso mehr freue ich mich, dass Du uns so mit auf Eure Reisen nimmst.
    Vielen Dank!
    Petra

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  2. Juchhu, der erste Kommentar in diesem Blog. Danke, Petra, hast was gut! :-)
    Ihr reist ja immer noch viel weiter, wenn ich da so an eure Afrika- und Asienurlaube denke. Darüber könnteste bestimmt auch viel schreiben, Zeit genug haste ja jetzt. ;-)
    Liebe Grüße,
    Heidi

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