Donnerstag, 30. Dezember 2010

Andalusien - 6. Tagestour, Festungsburgen im Naturpark

Naturpark Alcornocales
Morgens vorsichtig ein Blick durch die Jalousien: totaler Wolkenbruch! Düster schüttete und pladderte es heftig, wir konnten uns mit dem Aufstehen also Zeit lassen. Statt enttäuscht zu sein, waren wir heilfroh, keine unserer geplanten Touren auf den letzten Tag verschoben zu haben. Und so warteten wir den halben Vormittag ab, bis der Regen langsam nachließ und brachen dann zu einer letzten kleinen Tour in die Berge auf. Zwei „Frontera“-Orte waren unser Ziel: „Jimena de la Frontera“ und „Castellar de la Frontera“, da diese Orte im Naturpark „Los Alcornocales“ liegen und wir uns trotz des schlechten Wetters noch ein paar schöne Aussichten versprachen.

Sandsteinfelsen beim Königinnenbad
Über den Dächern von Jimena de la Frontera
Na gut, das mit den Aussichten hielt sich bis zum späten Mittag in Grenzen, aber sehenswert waren auch die beiden Burganlagen dieser Orte.
Bei Jimena de la Frontera, dem denkmalgeschützten „Weißen Dorf“, ließen wir den Wagen in einer der äußerst schmalen Seitengassen stehen und liefen den Rest zu Fuß zur teilweise verfallenen Burg „Castillo Agibe“ hoch. Durch ein offenes Tor in einer mächtigen Mauer erreichten wir auf rutschigem Kopfsteinpflaster das riesige Burgareal. Mehrere Wanderpfade führten um die Burg herum oder vom Burggelände weg in skurril geformte Sandsteinfelsen mit weitem Blick über den Nationalpark. Wegen der extremen (Aus)rutschgefahr beschränkten wir unsere Suche jedoch auf den Cache Baño de la Reina Mora, ohne das Königinnenbad selber zu Gesicht zu bekommen.

Maurische Zisternen

Stairways to heaven
Dafür schauten wir uns das Burggelände mit dem maurischen Turm und den Überresten maurischer Zisternen noch ein wenig genauer an. Und als wir neugierig die Treppe zu einem eingezäunten Gelände auf dem Berggipfel erklommen, entdeckten wir einen der typischen spanischen Friedhöfe, wo die Toten nicht beerdigt, sondern in hohen Steinmauern beigesetzt werden. Die kleine Totenstadt hatte noch viele freie „Wohnungen“, während etliche Nischen mit Kunstblumen und/oder Bildern reich verziert waren. Verschiebbare Leitern ermöglichen es den Angehörigen, jederzeit zu einem Grab auch in größeren Höhen zu gelangen. Nachdem wir eine Weile zwischen den verwinkelt stehenden Totenmauern herumgelaufen waren, ging es zurück über das Burggelände hinunter in den Ort, um uns mit dem Wagen wieder langsam und vorsichtig durch die engen Gassen den Weg hinaus zu suchen.

Exotischer Strauch
Das ca. 20 km entfernte Castellar de la Frontera erweckte von Weitem einen ähnlichen Eindruck wie die Burg bei Jimena de la Frontera, doch das sollte gewaltig täuschen. Zunächst machten wir uns auf die Suche nach dem gleichnamigen Cache „Castillo de Castillar“, bevor wir das Festungsdorf besuchten. Abseits der Straße lag einige Hundert Meter vorher ein Aussichtspunkt, von dem ein Natursteinpfad durch allerlei mediterrane Vegetation bis zur gesuchten Dose führte. Dabei kamen wir an uns unbekannten, hoch gewachsenen Sträuchern vorbei, deren aufrecht stehende braune Kapseln (halb geöffnet) wir bisher nicht identifizieren konnten.

Burgdorf "Castillo de Castillar"

Künstlerdomizile überall
Das Burggelände überraschte uns dann mit einem völlig idyllisch gestalteten Burgdorf. Erst im Nachhinein haben wir uns darüber informiert und erfahren, dass die ursprünglichen Bewohner der damals halb verfallenen Häuser in die neue Siedlung „Nuevo Castellar“ umgesiedelt wurden und das alte Burgdorf von Hippies und Aussteigern aus verschiedenen Ländern (vornehmlich Deutsche) in Beschlag genommen wurde. Nachdem es anfangs viele Probleme mit Junkies gab, leben die Alternativen inzwischen halbwegs akzeptiert in dem größtenteils restaurierten Labyrinth aus Treppenwegen, Gassen und Steinhäusern. Viele von ihnen versuchen, sich mit dem Verkauf von Kunst, Schmuck, Trödel, Kerzen etc. an touristische Besucher über Wasser zu halten. Einigen war die harte (Drogen)zeit deutlich anzusehen, eine Frau in den Fünfzigern rollte während unserer Anwesenheit emsig und verbissen Bienenwachskerzen, ohne einmal zu uns aufzuschauen. Aufdringlicher Räucherstäbchenduft, Kling-Klang-Sachen und viel überflüssiger Schnickschnack ließen uns in dem Gebäude nicht lange verweilen und weiterziehen zu einer kleinen Galerie, die uns sofort gefallen hat.
Riccardo und Robsen
Tolle Sandbilder, bei denen verschiedenfarbiger Sand in abstrakten Formen an der Leinwand klebte, waren wunderschön anzusehen und einfarbige T-Shirts mit aufgemalten Tanzfiguren weckten sofort mein Interesse. Der Besitzer des Ladens „Arte y Creación“, Riccardo Pasquini, war ein junger Italiener, mit dem wir nach dem Kauf von zwei T-Shirts noch einen netten Smalltalk auf Englisch hielten. Er könnte es schaffen, sich als Künstler zu etablieren, weniger mit seinen T-Shirts und kleinen Figürchen, aber mit den Sandbildern, die er bereits ausstellen durfte und wo das Fotografieren nicht so erwünscht war. Wir drücken ihm auf jeden Fall die Daumen.

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